Der Unterschied zwischen einem Dach über dem Kopf und einem Zuhause.

 

 

Bei dem Thema Obdachlosigkeit tun sich oft Missverständnisse auf. Es ist schwierig, etwas zu verstehen, das man nicht erlebt hat, das man nie aushalten musste, bei dem es so unterschiedliche Schicksale gibt, die dazu führen. Und doch kann es nahezu jeden treffen.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen Obdach- und Wohnungslosen?

 

Die Begriffe Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Bedeutungen: Obdachlosigkeit ist ein Teil der Wohnungslosigkeit. Als obdachlos werden Personen bezeichnet, die weder festen Wohnsitz noch Unterkunft haben. Sie übernachten auf der Straße, also in Parks, Bushaltestellen oder U-Bahnstationen. Wohnungslos sind dagegen Menschen ohne Mietvertrag. Sie schlafen bei Freunden und Bekannten, in Notunterkünften oder staatlich finanzierten Wohnheimen. Im Winter wird aus dem Leben auf der Straße ein Überleben auf der Straße. In dieser Jahreszeit finden Obdachlose im Freien selten Schlafstellen, an denen sie es über Monate aushalten können. Die Menschen leben auf der Straße, übernachten im Freien, in öffentlichen Räumen, in Notunterkünften oder anderen Einrichtungen, die dies zulassen. Vor allem in Großstädten halten sich viele Obdachlose auf. Eine genaue Zahl, wie viele Menschen auf der Straße leben, gibt es nicht. Noch überwiegt die Anzahl der Männer, aber die Frauenquote nimmt zu, auch Kinder und Jugendliche sind mittlerweile immer stärker von diesem Schicksal betroffen.

 

Soweit bekannt, hat sich die Zahl der Menschen ohne Wohnung in Düsseldorf von 2016 auf 2017 mehr als verdoppelt. Letzten Schätzungen zufolge (Sommer 2017), sind es allein in Düsseldorf etwa 5000 Menschen, die ohne festen Wohnsitz sind. Im Jahr 2017 betreute die Stadt 3601 der 4933 Wohnungslosen (73%).

 

Es ist nicht nur das Leben auf der Straße, das körperliche und psychische Höchstleistungen erfordert. Wohnungslose Menschen sind oft Diskriminierungen, Aggressionen und Gewalt ausgesetzt. Ein Leben auf der Straße ist riskant, auch, weil es an medizinischer Versorgung fehlt. Den Obdachlosen stellt sich die Frage, wo sie schlafen sollen - unter der Brücke, auf dem Asphalt - wo erhalten sie Essen, Kleidung oder ein warmes Bett? Wenn es draußen kalt ist, sind die Notunterkünfte überfüllt. Viele Obdachlose bleiben auf der Straße, weil sie ihren Partner oder ihre Partnerin nicht mitnehmen dürfen.

 

Was sind die Ursachen für Obdachlosigkeit?

 

Der Verlust der Arbeit, finanzielle Probleme, das Auseinanderbrechen der Familie, psychische Erkrankungen, Sucht, eine persönliche Krise und, auch das gibt es, freiwillige Wohnungslosigkeit – die Gründe, auf der Straße zu leben, sind so vielfältig wie die Menschen mit ihren Schicksalen.

Es trifft Menschen in kritischen Lebenssituationen, also nach einer Trennung, dem Verlust der Arbeitsstelle oder Verschuldung, Menschen mit gebrochenen Biografien, die immer schon am Rande der Gesellschaft gelebt haben, und junge Menschen, die ungeregelt aus Hilfseinrichtungen entlassen werden.

Wer einmal in dem Teufelskreis aus Heimatlosigkeit, Einsamkeit und Mittellosigkeit gelandet ist, kommt nur schwer wieder heraus. Die Abwärtsspirale zu verlassen, kostet nicht nur Kraft, sondern erfordert auch, ein erreichbares Ziel vor Augen zu haben. Deshalb ist es im Kampf gegen Obdachlosigkeit nicht damit getan, den Betroffenen ein Dach über dem Kopf zur Verfügung zu stellen. Es erfordert Beratung, Fortbildung und Unterstützung, die Betroffenen in ein Leben zurückzuführen, das sie vielleicht schon längst vergessen haben.